Wirtschaft und Wissenschaft
Wenn sich die Wirtschaft in Themen einbringt, kann zu Recht vermutet werden, dass sie dies in Gewinnerzielungsabsicht tut. Das ist das Wesen unserer Wirtschaftsordnung und folglich auch dasjenige der Unternehmen, die das Kompetenznetzwerk D115 angestoßen haben. Und doch folgt dieser Anstoß einer tieferen Erkenntnis: D115 wird sich nur dann wirklich durchsetzen können und damit wirtschaftliche Teilhabe ermöglichen, wenn die Idee flächendeckend Anhänger findet – und die Anhänger brauchen gegenüber den Kritikern gute Argumente, wenn nicht gute Lösungen. Diese allerdings sind nicht einfach zu beschaffen. Eine simple Internetrecherche fördert in kürzester Zeit eine Menge an Informationen zu Tage – diese allerdings sind in der Regel Pressemitteilungen, die Erfolge zum Inhalt haben. Man liest sie der Vollständigkeit halber auch hier. Erfahrungsberichte und Meinungen dagegen sind kaum zu finden. Genau hier setzt das Kompetenznetzwerk D115 an: Gegenläufiges wird präsentiert und mit Lösungsansätzen verknüpft.
Allen Leserinnen und Lesern aus der Wirtschaft sei gesagt: Ohne Zweifel handelt es sich bei D115 oder kommunalen Servicecentern nicht um einen klassischen “Outsourcingmarkt”. Derartige Phantasien hatten einige Konzerne, doch die Bodenhaftung hat sie wieder. Jeder, der sich einigermaßen in Kommunen hineindenken kann – einige der Autoren sind nicht nur in der Wirtschaft tätig, sondern zugleich politisch denkende Bürger oder gar ehrenamtliche Mandatsträger -, der weiß, wozu öffentliche Verwaltungen aller Unkenrufe zum Trotz aus eigener Kraft in der Lage sind. Umgekehrt macht die Aussage jedoch ebenfalls Sinn: Die öffentlichen Verwaltungen wissen genauso gut, bei welchen Themen sie von privatwirtschaftlicher Erfahrung profitieren können, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Insofern kann man guten Gewissens behaupten, dass ein Markt für faire, auf Augenhöhe erfolgender Zusammenarbeit in jedem Fall vorhanden ist. Genau dies, die Augenhöhe, ist deshalb ein Grundprinzip des Kompetenznetzwerks D115.
Neben der Wirtschaft soll auch die Wissenschaft in das Kompetenznetzwerk eingebunden werden, denn der einheitliche Behördenruf ist nicht weniger als ein zentraler Baustein der Verwaltungsmodernisierung. In Deutschland geht das Projekt D115 zurück auf eine Studie des ISPRAT-Netzwerkes, an dem neben Politik, Verwaltung und Wirtschaft eben auch die Wissenschaft eine tragende Säule ist. Hier wurden die Strategie entworfen und die ersten Umsetzungsschritte formuliert. Mit Einführungsstrategie und Umsetzungskonzepten allein kann es ein Projekt dieser Tragweite allerdings nicht bewenden lassen. Erforderlich ist vielmehr, dass Schritt für Schritt eine Evaluierung der bisher gewonnenen Erkenntnisse erfolgt. Was hat D115 an Effizienzgewinnen gebracht? Eine zentrale Frage, die noch so manchen Skeptiker zum Verstummen bringen wird. Keine Frage, die Erkenntnisse müssen auch dafür genutzt werden, Strategien und Umsetzungsschritte fortzuschreiben.
Genau dazu wollen wir die Wissenschaft am Kompetenznetzwerk D115 beteiligen. Um einen ersten Einstieg zu bieten, tragen wir an dieser Stelle eine umfassende Literaturliste zu öffentlich zugänglichen Fundstellen zusammen.
Literatur:
- D115-Projekt: Downloads – Grob- und Feinkonzept sowie Jahresberichte
- D115-Projekt: Workshop verbundübergreifende Technik – Informationsveranstaltung für die Wirtschaft
- ISPRAT: STRATEGIE 115 - Studie zur Einführung einer behördenübergreifenden Servicerufnummer 115 in Deutschland
ISPRAT: Auf dem Weg zu einer einheitlichen Behördenrufnummer - Empirische Analyse des Status quo von Servicecentern und der Bewertung durch Bürger und Wirtschaft - weitere Veröffentlichingen von ISPRAT: http://isprat.net/isprat-projekte/ und http://isprat.net/isprat-publikationen/
- Fraunhofer FOKUS: Premium 115 – Skizze einer technischen Architektur für verwaltungsebenenübergreifende Portale zur öffentlichen Verwaltung
- Fraunhofer FOKUS: Überlegungen zu Umsetzungsszenarien von “Service 115″ – Vortrag
- Fraunhofer FOKUS: ServiceLine 115 – Projektseite
- Universität Duisburg Essen: Amt@Direkt – der intelligente 115-Scout
- Universität Duisburg Essen: Organisationsübergreifender Austausch öffentlicher Dienstleistungsinformationen – Konzept, Architektur und Erkenntnisse aus dem Piloten Amt@Direkt
- BITKOM: Themen > Standort Deutschland > E-Government - Behördenruf D115
- dbbakademie: Prof. Dr. Helmut Krcmar – Das Wissen der Verwaltung – Neue Wege des Wissensmanagements
Ein umfangreiches Literaturverzeichnis (teilweise veraltet) und Veröffentlichungen von Prof. Dr. Jörn von Lucke zu Themen des E-Government, insbesondere zu D115. Wir freuen uns auf Hinweise und Ergänzungen!